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“i’m going to speak my mind, so it won’t take very long.” mit diesen worten beginnt BANKSY sein neues buch, das man wohl als sammlung seiner werke betiteln kann. es scheint, als ob der junge mann nicht viel zu sagen hat. einen gegensätzlichen eindruck bekomme ich beim durchblättern, denn BANKSY verbindet seine genialen schablonenbildchen mit witzigen oder politischen aussagen. STREET ART ist in gewisser weise schon wieder am abkühlen und das sicherlich weil sie von den meisten, in hinsicht auf den kreativen prozess, nicht ernst genug betrachtet wird. in BANKSY – WALL AND PIECE bekommt man genügend beispiele, wie man es richtig macht. das ist wohl auch der grund, warum dieses buch so lohnenswert ist. und eines wird euch nach diesem buch auf jeden fall klar: der kollege aus england HAT was zu sagen!
Die Kritik von “Die Zeit” :
Für Tony Blair ist die Sache klar: „Graffiti ist ein Verbrechen und ist es immer gewesen“, sagte der britische Premierminister Anfang der Woche bei der Vorstellung seiner „Respekt“-Kampagne, mit der er seinen Landsleuten „anti-soziales Verhalten“ austreiben will, „und für alltäglichen Vandalismus gilt das gleiche.“
Ob er Banksy im Sinn hatte? Nach premierministerlicher Definition wäre Großbritanniens berühmtester Sprayer und „Guerilla-Künstler“ ein Schwerverbrecher, der erklärtermaßen den Vandalen ihren guten Namen zurückgeben will. Seit Jahren hinterlässt er in London und anderswo seine Spuren, die allerdings oft mehr sind als einfallslose tags: sein Namenszug in breitgezogenen Großbuchstaben, Ratten, die bohren, funken, graben und Raketenwerfer in Stellung bringen, knutschende Bobbies oder Wachsoldaten mit Seehundfellmütze, die ein Anarcho-A an die Wand malen oder „sich erleichtern“.
So allgegenwärtig sind seine stencils, vornehmlich mit Schablonen gesprühte Bilder und Slogans, dass man sie bei genauem Hinschauen selbst im neuesten Woody-Allen-Film Match Point erspäht, der an Themse spielt. Auch in Berlin, Barcelona und amerikanischen Städten hat sich Banksy mittlerweile verewigt. Als er vergangenen Sommer neun Bilder auf die Sicherheitsmauer malte, die Israel und die Palästinensergebiete trennt, berichtete sogar die BBC.
Wer Banksy ist, ist geheim. Der Evening Standard outete ihn 2004 vermeintlich, doch es bestehen Zweifel, ob die Londoner Abendzeitung, die Banksy einen „Kunst-Terroristen“ nannte, den richtigen erwischte. Seine Eltern im heimatlichen Bristol, wo er 1974 geboren wurde, glauben, ihr Sohn verdiene in London als Maler und Anstreicher sein Geld. Banksys Website ist auf seinen Agenten und Fotografen angemeldet; wenn er sich selbst ins Bild rückt, dann mit tiefgezogener Kapuze oder Affenmaske. Das hat natürlich mit seiner meist illegalen Beschäftigung zu tun, aber dem lässigen, gefährlichen Image ist das Versteckspielen auch nicht ganz abträglich.
Seine Graffiti, und in letzter Zeit vermehrt auch Objekte und „Skulpturen“ wie gekappte, von Krähen besetzte Videoüberwachungskameras, Haifischflossen im Teich von Londons Victoria-Park oder Der Trinker, eine Rodins Der Denker nicht unähnliche Figur mit einem Baustellenhütchen auf dem Kopf, leben von manchmal kunstvollem, manchmal plattem Nebeneinanderstellen, trockenen Slogans und einer etwas schwammigen Anti-Attitüde: Vermummte Demonstranten werfen Blumen, Kriegspremierminister Winston Churchill ziert ein Irokesen-Haarschnitt, der Kampfhubschrauber trägt ein Schleifchen und wünscht „Noch einen schönen Tag!“, während man darüber aufgeklärt wird: „Amerikaner arbeiten über Ihnen!“
Bei Banksy mischt sich „Kifferhumor“ – auf dem Musikfestival von Glastonbury machten sich der Sprayer und ein Freund vor zwei Jahren einen Spaß daraus,
Polizeiwagen mit der Aufschrift „Hash for Cash“ zu verzieren – auf eigentümliche Weise mit künstlerischer Sensibilität. Sein stärkstes Bild, ein stencil mit ausgemergelten Frauen hinter KZ-Stacheldraht, die leuchtenden Lippenstift tragen, war bislang nur auf Ausstellungen zu sehen und berührt auch ohne das Wissen um den historischen Hintergrund: Kurz nach der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen durch britische Truppen schickte das Rote Kreuz statt Lebensmittel und Medikamenten ein großes Paket Kosmetika, was die ums Überleben der Ex-Häftlinge kämpfenden Soldaten schockierte, von den Frauen aber freudig angenommen wurde: Die Lippenstifte gaben ihnen Menschlichkeit und Individualität zurück.
Seine bemerkenswerte Karriere in den letzten Jahren ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass er das Kunstestablishment beständig lächerlich machte, das ihn daraufhin nur umso wilder umarmen wollte: „Mind the Crap“ sprühte er vor Jahren noch auf die Treppenstufen der Tate Gallery, was, in Anlehnung an die allen Londoner U-Bahn-Fahrern bekannte Ansage „Mind the Gap“ („Vorsicht an der Bahnsteigkante“) soviel wie „Vorsicht vor dem Dreck“ sagen wollte. Eigenhändig hängte er 2003 ein „vandalisiertes“ Ölgemälde in der Tate auf, wo es erst entdeckt wurde, als der Kleber nach ein paar Stunden nachließ und das Werk zu Boden glitt.
Auch im Louvre hing für einige Zeit ein echter „Banksy“, und im März 2005 schmuggelte er an einem Tag seine Bilder in gleich vier New Yorker Museen. Diesen Sommer lag dann auf einmal das Exponat „Early Man Goes to Market“ („Höhlenmensch geht zum Markt“) in einer Ausstellungsvitrine des erwürdigen Britischen Museums: Auf der Tonscherbe machte sich ein Strichmännchen mit Einkaufswagen zum Jagen und Sammeln auf. Das Museum zeigte Humor und behielt das Werk von „Banksymus Maximus“ in seiner Kollektion.
Gleichzeitig bedient sich der Sprayer bei allem Anti-Kapitalismus letztendlich modernen Marketingpraktiken: Sein gesprühter Namenszug funktioniert gewissermaßen Markennamen-Entwicklung, als branding und teasing in eigener Sache. Dass er mittlerweile das Cover des neuesten Blur-Albums ThinkTank gestaltet, für internationale Großunternehmen arbeitet, seine Bilder mittlerweile in der Größenordnung von bis zu 25000 Pfund das Stück verkauft, und dass sein jüngstes Buch Wall and Piece im „Coffeetable“ Format beim zum Bertelsmann-Konzern gehörenden Verlag Random House erschienen ist – all das gilt Spray-Puristen bereits als moralischer Ausverkauf.
Doch Banksy scheint das erstaunliche Talent zu besitzen, gleichzeitig auf beiden Seiten stehen zu könne, wie der „Newsblog“ der Tageszeitung The Guardian jüngst vermerkte: „To have your cake and eat it“ lautet die passende englische Redewendung. Auf dem Cover seines Buchs wird ein Sprecher der Londoner Polizei mit den Worten zitiert: „Es kommt überhaupt nicht in Frage, dass Sie von uns ein Zitat für ihr Buch bekommen.“ Und das ist wiederum ein ganz typischer Fall von Banksyismus.
(Henning Hoff)
Banksy’s Homepage
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Erich J. Hess denkt sich mit Kollega Fuchs wieder lustige Ideen aus
Wie 20 min berichtet, will die junge SVP Jagd auf Sprayer machen: Kopfgelder von bis zu 2000 Franken soll auf Vandalen ausgesetzt werden. Nichts als billiger Populismus, finden politische Gegner.
«Sprayereien und Vandalismus dürfen nicht länger als Kavaliersdelikte abgehandelt werden», sagt JSVP-Stadtrat und Grossratskandidat Erich Hess. Seine Idee: Auf Chaoten, die wiederholt Gebäude verunstalten, soll ein Kopfgeld zwischen 500 und 2000 Franken ausgesetzt werden. Bezahlen müssten dies aber weder Gemeinden noch Hauseigentümer. «Der Betrag des Kopfgeldes ist dem Täter
zusammen mit den Gerichtskosten vollumfänglich in Rechnung zu stellen», sagt Hess. «So manchen Sprayer dürfte dies wohl Kopf und Kragen kosten.»
«Das sind ja Methoden wie im Wilden Westen», nervt sich Juso-Stadtrat Beni Hirt. «Ein äusserst populistisches Mittel mit wenig Substanz – einfach ‹bireweich›.» Er könne sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass Jugendliche ihre Kollegen verraten würden. Ganz anders sieht dies allerdings Erich Hess: Ein Hotelier in Thun habe vor kurzem ein Kopfgeld auf Sprayer ausgesetzt. «Nur wenige Tage später wurde der Täter aus den eigenen
Reihen verpfiffen und ans Messer geliefert.»
Noch diese Woche will die Junge SVP zum Thema einen politischen Vorstoss im Stadtrat einreichen.